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Die Geschichte des Rollschuhs

Der Ursprung der Rollschuhe ist nicht ganz geklärt. Als eigentlicher Erfinder von brauchbaren Rollschuhen im Jahre 1760 ist der Belgier Joseph Merlin zu bezeichnen. Ein eigentlicher Rollschuhboom entwickelte sich aber erst 1863, als der Amerikaner James Leonard Plimpton für seinen gefederten Vierrad- Rollschuh das Patent erhalten hatte. 1866 wurde in Newport (USA) die erste Rollschuhbahn eröffnet. 1880 zählte man in Paris bereits 40 und in London sogar 70 Rollschuhbahnen. Rollschuhhallen entwickelten sich in der damaligen Zeit zu wichtigen gesellschaftlichen Plätzen, wo das Motto galt; Sehen und Gesehen werden. Als Sportgerät entwickelte sich der Rollschuh mit der Verwendung des Kugellagers 1884. Als erste Sportart auf Rollschuhen entstand der Schnellauf. In Anlehnung an den Radsport und im Gegensatz zum Eisschnellauf, liefen die Sportler Rennen mit Massenstart, Staffeln und Americans. In London begann man mit einem Ballspiel auf Rollschuhen, das man Rink Polo und später Rink Hockey (Rollhockey) nannte. Erst sehr viel später, als der Rollschuh weiterentwickelt wurde, entstand der technisch anspruchvollste Zweig des Rollsports; der Kunstlauf.

Die Anfänge in der Schweiz

Als eigentliches Mutterland des Rollsportes gilt England. Zu einer Zeit als es noch keine Eisstadien gab, vergnügte man sich auf dem Rink. So waren es auch die englischen Touristen, die diese Sportart in der Schweiz einführten und bezeichnenderweise sind es auch die von englischen Touristen bevorzugten Städte, welche die ersten Rollschuhbahnen erhielten; Luzern und Montreux. Es erstaunt wenig, dass 1924 in Montreux die erste inoffizielle Europameisterschaft im Rollhockey ausgetragen wurde, ein Grund weshalb im selben Jahr in Montreux die FIRS (Fédération Internationale de Roller Skating) und der SRV (Schweizerischer Rollsport-Verband) gegründet wurden.

Der Schweizerische Rollsport-Verband

Nach seiner Gründung 1924 kümmerte sich der SRV um die Belange des Rollhockeys, des Schnellaufs und des Kunstlaufs. 1944 trat der SRV dem Schweizerischen Landesverband für Sport bei. (Heute Swiss Olympic Association). Mit dem Aufkommen der In-Line Schuhe geriet der Rollsport-Verband plötzlich ins Mittelfeld der Interessen. Speziell im Schnellauf mussten die Strukturen geändert und die Reglemente vereinfacht werden. Der Zentralvorstand besteht aus 5 Personen. Darin vertreten sind die Chefs der 2 selbständig geführten Departemente, dem Kunstlauf- und Inline-Departement. Diese führen eine eigenständige Organisation mit den technischen Kommissionen. Mit den rund 20 Vereinen und den Swiss Skatern gehören um 6500 Mitglieder an.

Speed Inline / Schnellauf

Dank der modernen Inline-Bewegung konnte sich der Schnellauf beinahe explosionsartig vergrössern. Mit dem Swiss Inline Cup findet in der Schweiz seit 14 Jahren die grösste und prestigeträchtigste Inline-Serie der Welts statt. Ähnlich wie beim Radsport haben sich hier Werkteams etabliert, die entweder als Swiss Teams oder World Teams in Erscheinung treten. Bereits Juniorensportler werden somit mit Material und Bekleidung ausgerüstet und vom Teamchef zu den verschiedenen Rennen selektioniert. Speedskating wird auf allen Kontinenten und etwa in 75 Nationen betrieben. Warum dieser attraktive Sport den Sprung in die Olympiadisziplinen noch nicht geschafft hat, ist unverständlich. Wettkampfmässig an Welt- und Europameisterschaften werden Strassenrennen in verschiedenen Distanzen von 300m bis zur Marathondistanz und auf der Bahn (Rundkurs von 200m Länge) ausgetragen.

Kunstlauf

Der Rollkunstlauf wird weltweit in vier Sparten ausgeführt: Damen Einzel, Herren Einzel, Paarlauf und Rolltanz. Neu sind seit einigen Jahren das Gruppenlaufen und Show dazugekommen. Rollkunstlaufen bedeutet Beherrschung technischer Elemente wie Sprünge und Pirouetten, sowie umsetzen von Musik in Bewegung. Voraussetzung und Grundlage hierfür ist das Pflichtlaufen. Die absolute Kontrolle über den Rollschuh ermöglicht später die exzellente Darbietung schwierigster Sprünge. Eine Kür sollte ein homogenes Gebilde aus Sprüngen, Pirouetten, Schritten und Armbewegungen sein. Die Eigenbewegung des Rollschuhes ausnützend, kann dabei eine Kunstform entstehen, die Elemente des Balletts mit Akrobatik verbindet und so dem Sport seine Kunstform vermittelt. Rollkunstlaufen wird in etwa 50 Nationen der Welt ausgeübt. Hochburgen dieser anmutenden Sportart sind Nord- und Südamerika, Italien, Spanien und Deutschland. Jährlich werden neben den nationalen Meisterschaften, Cadetten-, Jeunesse-, Junioren- und Elite-Europameisterschaften, sowie Junioren- und Elite-Weltmeisterschaften ausgetragen. Auch der Rollkunstlauf konnte den Sprung in die olympischen Disziplinen noch nicht schaffen. Heute sind die Hürden des IOC sehr hoch angesetzt.


Ernst Egli
Ehrenmitglied